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Zeig mal – lass hören!
Mit allen Sinnen SPRECHEN - Ein Projekt von Kindern mit Künstlern

Die Idee

"Zeig mal – lass hören!" ist ein einjähriges Projekt zur Sprachförderung für 50 Kinder zwischen fünf und sechs Jahren zum Brückenjahr in der Stadt Springe. Es beginnt im Februar 2010. Beteiligt sind drei Kindergärten, die Grundschule, die Kirchengemeinde St.- Andreas, der Verein Kunst und Begegnung Hermannshof e.V.

Innovativ sind die Inhalte in der Verknüpfung von Kunst und Sprache: Zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr entwickeln Kinder ihre Ausdrucksfähigkeit. So ist die Sprachentwicklung immer auch ein persönliches Entwicklungsmerkmal. Die Kunst - dafür steht in dem Projekt Musik, Bildende Kunst, Theater, Tanz und Bewegung - schafft beste Bedingungen für die individuelle Persönlichkeits- und Entwicklungsförderung der Kinder. Herausgestellt hat die Relationen zwischen Kunst und Sprache auch Anne Bamford in ihrer Untersuchung „The Wow Factor“ (2006), dass nämlich eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung durch Kulturvermittlung drei Aspekte berücksichtigen muss: die Künste, das Erleben der Selbstwirksamkeit und die Reflexion.

Modellhaft ist die Projektentwicklung: in Vorgesprächen im Vorfeld und einem Symposium sind die Inhalte mit allen Beteiligten gemeinsam erarbeit worden.

Diese fruchtbare Zusammenarbeit macht es möglich, dass alle am Projekt beteiligten Kinder nach der Kindergartenzeit im Sommer 2010 in gleicher Gruppe eingeschult werden ohne Auslese und Zurückstellung schwächerer Schüler in den Schulkindergarten. Diese Form übergreifender Bildungsarbeit ist neu und bisher einmalig in Niedersachsen.

"Zeig mal – lass hören!" ist generationenübergreifend, denn Eltern und ErzieherInnen sind von Beginn an mit einbezogen.

Das Projekt hat Impulscharakter ( es wird erstmalig durchgeführt) mit großer Nachhaltigkeit: Am Ende jedes Halbjahres wird das Projekt unter Federführung der Universität Hildesheim, FB Kulturwissenschaften gemeinsam mit ErzieherInnen, LehrerInnen und KünstlerInnen evaluiert. Auf Basis dieser Erfahrungen und Entwicklungen soll das Projekt im 2. Schulhalbjahr ab Februar 2011 fortgesetzt werden.

Nach Abschluss im Juni 2011 arbeiten die Einrichtungen gemeinsam weiter. Die KünstlerInnen sind auch nach dem Projekt ansprechbar für Erzieherinnen/Lehrer.

Die Dokumentation gibt Anleitung, was es braucht und wie es geht, das Pilotprojekt in anderen Kindergärten und Schulen in Niedersachsen zu realisieren.

Kunst und Sprache

Es fällt auf, dass in den Rezensionen relevanter Sprachförderprojekte der Vergangenheit die kreative und künstlerische Pädagogik in den Programmen zur Sprachförderung wenig eigenständig ist; experimentelle und avantgardistische Ausformungen der ästhetischen und kulturellen Bildung spielen meistens eine untergeordnete Rolle.

"Zeig mal – lass hören!" geht eigene Wege. Hier nimmt 'Kunst heute' im Fokus der Sprachförderung keine dienende Funktion ein, sondern wird in den verschiedenen Workshops als eigenständige Haltung vermittelt. Das ist beabsichtigt, nur so ist Bildung durch Kultur an der Schnittstelle zur Sprachförderung wirkungsvoll im Lernprozess. Denn im Vordergrund steht das forschende und Neues erfindende Lernen. Kunst erleben mit allen Sinnen – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Greifen – da erfährt das Kind sich selbst und macht sich mithilfe seiner Sinne die Welt zu Eigen. Laura-Ann Petitto vom amerikanischen Dartmouth College entdeckte, dass sich in den Handbewegungen von Babys der charakteristische Rhythmus der Sprache, die sie tagtäglich hören, wiederspiegelt. In der Versprachlichung und Beschreibung visueller, akustischer, haptischer und anderer ästhetischer Projekterfahrungen und individueller Erlebnisse trainiert das Kind über die verbale Kommunikation seine Wahrnehmung, sein Vorstellungs-, Assoziations- und Abstraktionsvermögen, entwickelt beschreibend Verständnis für Form, Inhalt und Bedeutung. Sprachkompetenz fördert Selbstausdruck und bildet Bewusstheit. Im Erleben, ausprobieren, sich kennenlernen ist Sprache Ausdrucks- und Gestaltungselement übergreifender Kulturtechniken.

Das Programm

Tanz, Bildende Kunst, Theater und Musik. Vier Workshops an 36 Kurstagen bilden das Programm im Kindergarten-Halbjahr. Tanz wird zur verbalen 'Forschungsreise'; Klang darstellen als Figur und Bewegung, im Rollenspiel Worte finden und erfinden, über Musik mit Resonanz und Antwort ein dialogisches Gespräch führen. Beispielhaft ist die Fortführung des Projektes in der Grundschule mit der Zusammenführung der Künstler-Teams in spartenübergreifenden Aktionen: Theater mit Musik, Tanz mit Bildender Kunst. In der Programmatischen Entwicklung wachsen die Inhalte und die Methoden mit den Kindern. Die Künstler gehen diese Entwicklung gemeinsam mit den Kindern. Daraus entwickeln sich überraschende Inhalte, die erst später benannt werden können.

Das Wu-Wei-Theater mit Angelika Sieburg und der Theaterregisseurin Inga Pickel

"Alles kann sprechen – verstehst du mich?!"

"Der Mensch ist dafür geschaffen, sich über Dinge zu freuen, die die Entwicklung seines Gehirns fördern. Deswegen suchen wir ganz natürlich nach Empfindungen, die uns helfen können, unser Gehirn zu ordnen, es mit Nahrung zu versorgen." Jean Ayres

In dem Theaterprojekt bekommen Kinder die Gelegenheit, mit allen Sinnen, den Nah-(Oberflächensensibilität, Gleichgewichtssinn, Eigenwahrnehmung) und den Fernsinnen (Riechen, Sehen, Hören) ihre Umgebung und ihre Phantasien zu untersuchen. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die Sprache der Dinge, der Tiere, der Elemente, der Pflanzen und der Menschen. Die Kinder entdecken und entwickeln diese Sprachen. Sie wispern, raunen, flüstern; sie gurren, grunzen, zischen; sie entwickeln Geheimsprachen und Nonsenssprachen; sie hören verschiedene Dialekte und fremde Sprachen; sie entdecken die Musik der Wörter und den Rhythmus der Sätze. Die Darstellende Kunst, ihre verschiedenen Spielformen und Zeichen ermöglichen dabei den Kindern vielfältige Muster und Gestalten des Ausdrucks zu suchen und zu finden.

Kinder erweitern bei diesen theatralen Experimenten auf der 'Bühne' ihre Vorstellungen von Darstellender Kunst und vom Leben. Die Kinder haben sicherlich Fernseh- und Filmerfahrungen. Unser Kunstansatz will darüber hinaus die Formensprache des Theaters erfahrbar machen. Wobei wir uns vorbehalten auch neue Medien in den künstlerischen Prozess mit einzubeziehen.

Die Compagnie Fredeweß mit Hans Fredeweß und Corinna Gobrecht

Sprache hat sich entwickelt - von Handgesten und protosprachlichen Lauten über Tanz und mithilfe von Musik und Riten hin zu einer hochkomplexen grammatischen Sprache. Der Grammatik der Sprache ging die Grammatik des Tanzes voraus. Die große Bedeutung von Bewegung spiegelt sich in der Sprache wieder: Begreifen bedeutet für Neugeborene, Dinge greifen zu lernen; Selbständigkeit entsteht, wenn Kinder selbst stehen können. Eine aufrechte Haltung zu erlernen umfasst mehr, als eine starke Rückenmuskulatur zu entwickeln.

Grundlage für das Projekt ist eine Komposition von Eric Satie aus dem Jahr 1924, "Die Abenteuer des Merkur". Sie bietet spannendes Material zur tänzerischen Erarbeitung und wird erweitert durch weitere Musiksequenzen. Abenteuerdurstig nähern wir uns der 'Bewegungserforschung', dem 'Movement research', einem systemischen Bewegungsansatz. Schwerpunkte sind zudem die geballte Konzentration und Aufmerksamkeit in der Bühnenpräsenz im 'Fokus' zu erleben, sowie immer wieder die Motivations- und Teamfähigkeit zu trainieren.

Das Projekt startet mit der moderierten Aufführung des Tanzstücks "Kick off!" durch Profitänzer der Compagnie Fredeweß und mündet direkt in den ersten Workshop. Alle teilnehmenden Kinder, ErzieherInnen, LehrerInnen und Eltern kommen so in den Genuss modernes Tanztheater zu erleben. Entsprechende ErzieherInnen und LehrerInnen- Fortbildungen sowie eine Einführungsveranstaltung für die Eltern runden das Ganze ab.

In den Projekt-Workshops erarbeiten die Kinder mit der Compagnie Fredeweß eine Choreografie, die dann zur Aufführung auf einer Bühne mit Publikum kommt. Hier präsentieren die Kinder erlernte und selbst erfundene Tanzsequenzen. Die lustvolle Tanzkunstvermittlung steht hier im Mittelpunkt. Eine entsprechende ErzieherInnen- und LehrerInnen-Fortbildung, sowie eine Einführungsveranstaltung für die Eltern runden das Ganze ab.

Lotte Lindner und Till Steinbrecher, sind bildende Künstler. Sie arbeiten in diesem Projekt performativ.

Sprache ist im Verhältnis zu den Künsten zunächst natürlich beschreibend anwendbar. (Was habt Ihr gesehen? Was habt ihr gehört?) Sprache wird in ihrer Vielfalt erfahren mit den internationalen und lautmalerischen Möglichkeiten.

Auf diese Weise erfahren die Kinder Freude und Stolz auf ihre eigenen Sprachen (ich kann was, was ihr nicht könnt), zum anderen erproben sie ihr Selbstbewusstsein und ihre Wahrnehmung im Schreien, Flüstern, Singen und Grunzen.

L’ART POUR L’ART mit Astrid Schmeling und Matthias Kaul

Ihre Idee ist, dass die Kinder mit (im weitesten Sinne) musikalischen Mitteln aus ihrer Welt zu berichten. Sie schreiben eine Kinderkomposition. Ausgangspunkt dafür ist das Hören, besser noch horchen, selbst nichts tun außer eben horchen; das ist das, was uns umgibt. Die Kinder erfahren so das Klangbild ihrer Umgebung und versuchen als ersten Kompositionsschritt, diese Umgebung eine eigene musikalische Aktion hinzufügend zu  bereichern. Eigenes in die Umgebung einfügen, Eigenes und die Umgebung zusammensetzen, Eigenes der Umgebung entgegensetzen, mehr ist Komponieren zunächst nicht. Am Ende der Workshops werden die entstanden Kompositionen aufgeführt.

Partner im Projekt

- Pastor Klaus Fröhlich, ev.-luth.-St.-Andreas-Kirchengemeinde Springe

- Thomas Lange, Direktor Grundschule Springe

- Leitungsteam der drei Kindergärten St. Andreas, DRK Springe, Stadt Springe

- Projektleitung, Koordination, Verwaltung Eckhart Liss (Kunst und Begegnung Hermannshof)

- Beratung: Uwe Herrmann, (Kunsttherapeut, Hannover), Dr. Sabine Fett (Kulturwissenschaftlerin, Hannover), Anja Römisch (Geschäftsführerin Stiftung Kulturregion Hannover)

Angefragt:

- Prozessbegleitung: Dr. Vanessa Reinwand, (FB Kulturwissenschaften, Universität Hildesheim)

- Dokumentation: Wilfried Köpke (freier Journalist, Hannover)

 

Zeitliche Durchführung

Die Projektphase I von Januar bis Juni 2010 - letztes Kindergartenhalbjahr - beginnt mit einer Auftaktveranstaltung am 24. Januar. Im Anschluss daran folgen über das Halbjahr verteilt vier Workshops an 36 Tagen, dreimal drei Tage im Monat, immer vormittags von 8.00 -13 Uhr

Workshop I, Compagnie Fredeweß, neun Tage zwischen dem 25.1. und 19.2.2010

Workshop II, Lotte Lindner und Till Steinbrenner, neun Tage zwischen dem 1.3.un 19.3.2010

Workshop III, Wu-Wei-Theater, neun Tage zwischen dem 12.4.-30.4.2010

Workshop IV, L'Art pour L'Art, neun Tage zwischen dem 17.5. und 17.6.2010

Eingeschoben in das Halbjahr sind zwei weitere Workshoptage, ein Abschlusstag und ein Evaluationstag: der erste Tag ist für ErzieherInnen, der Zweite für Eltern. Abschlusstag und Evaluationstag gemeinsam mit ErzieherInnen, LehrerInnen und KünstlerInnen sind der 18. und 19. Juni.

Die Projektphase II von September und Dezember 2010 - 1. Grundschulhalbjahr – beginnt am 20.9.2010. mit zwei kunstübergreifenden Doppelworkshops an 18 Tagen, dreimal drei Tage im Monat, immer vormittags von 8.00 -13 Uhr.

Workhop I, Wu Wei Theater und L'Art pour L'Art, neun Tage zwischen dem 20.9. und 8.10.2010

Workshop II, Compagnie Fredeweß und Lotte Lindner/Till, Steinbrenner, neun Tage zwischen dem 9.11-27.112010

Eingeschoben in diese Zeit sind zwei weitere Workshoptage im Oktober für LeherInnen und Eltern, im Dezember folgt der Abschlusstag und ein Evaluationstag mit LehrerInnen und KünstlerInnen.

Auf Basis dieser Erfahrungen und Entwicklungen soll das Projekt im 2. Schulhalbjahr ab Februar 2011 fortgesetzt werden mit dem Ziel, dass nach Abschluss im Juni 2011 die Einrichtungen gemeinsam weiterarbeiten; die KünstlerInnen haben signalisiert, dass sie auch nach dem Projekt ansprechbar wären für Erzieherinnen/Lehrer.

 

Exkurs

Sprachentwicklung/Sprachförderung im Tanz

Sprache hat sich entwickelt - von Handgesten und protosprachlichen Lauten über Tanz und mithilfe von Musik und Riten hin zu einer hochkomplexen grammatischen Sprache. Der Grammatik der Sprache ging die Grammatik des Tanzes voraus. Für tänzerische wie für sprachliche Abfolgen gelten das Baukastensystem der Komposition, das Prinzip der Rekursivität sowie Beschränkungsregeln aufgrund körperlicher Grenzen und ästhetischer Optionen. Die große Bedeutung von Bewegung spiegelt sich in der Sprache wieder: Begreifen bedeutet für Neugeborene, Dinge greifen zu lernen; Selbständigkeit entsteht, wenn Kinder selbst stehen können. Eine aufrechte Haltung zu erlernen umfasst mehr, als eine starke Rückenmuskulatur zu entwickeln.

Alarmierend ist, dass inzwischen fünf bis acht Prozent aller Grundschulkinder durch eine eingeschränkte Motorik auffallen. Hier setzt der Tanz als Bewegungsform mit hohem Potential an. Nicht nur die bloße körperliche Aktivität, Motorik und Sensorik werden gefördert. Tanz wird zur verbalen 'Forschungsreise'. Er öffnet Assoziationsräume und entfaltet Vorstellungsbilder. Eine Sprache für dynamische Vorgänge wird gefunden. Benennungen der Orientierung im Raum und der Richtung und Art und Weise der Bewegung kommen hervor. Selbstwahrnehmung und Selbstvergewisserung werden artikuliert. Der Körper speichert all diese Erlebnisse gekoppelt an die Sprache. Dort werden Sprache und Logik, das "Begreifen der Welt" abrufbar: Der Körper als Archiv.

Im Projekt wird die Compagnie Fredeweß dieser 'Spracharchivierung' zuarbeiten durch differenziertes Beschreiben des Erlebens im Tanz, durch das Wecken von Vorstellungsbildern durch den Tanz und das Artikulieren in der Sprache. Zu erwerbende soziale, methodische und kreative Kompetenzen werden sichtbar gemacht durch Benennung derselben.

Das körperlich und seelisch Erlebte wird durch die Kinder sprachlich fixiert und trotzdem handelt es sich nicht um einen bloßen Einschreibevorgang, sondern die Kinder sind als Ganzes aktiv an der eigenen Ausgestaltung der Sprache beteiligt. Die Verwendung dieser hat wiederum Auswirkungen auf die folgende körperliche Aktivität.

Die Kommunikation und der Austausch der Kinder untereinander, mit den Tanzkunst-vermittelnden und beteiligten ErzieherInnen und LehrerInnen, sowie mit den Eltern, sorgt dabei für wichtige Impulse die gefundene Sprache anzuwenden und zu erproben.

Corinna Gobrecht, Compagnie Fredeweß

 

Sprache und Künste

Sprache ist im Verhältnis zu den Künsten zunächst natürlich beschreibend anwendbar und das wird auch eine Rolle spielen (was habt ihr gesehen / gemacht?). Wir stellen uns aber auf jeden Fall vor, die Sprache auch in ihrer Vielfalt und den internationalen und lautmalerischen Möglichkeiten auszuloten.

Die Kinder können so zum einen Freude und Stolz auf ihre eigenen Sprachen erfahren (ich kann was, was ihr nicht könnt) und zum anderen ihr Selbstbewusstsein und ihre Wahrnehmung im Schreien, Flüstern, Singen und Grunzen erproben.

(wie klingt das Meer, wie klingt der Schnee...). – gibt es internationale 'Sprachen'? (klagen, lachen, Imitationen von Tieren und Dingen....)

Auch die Körpersprache soll Teil der Experimente sein.

Kunst ist Kommunikation und Kunst hat mehr Möglichkeiten als die der Worte, sich verständlich zu machen. Möglicherweise kann Kunst dazu dienen, sich auszudrücken, bevor ein Kind Worte findet. Danach kann geschaut werden, wie sich das Erlebte/Geschaffene in Sprache setzen lässt.

Wir denken nicht so sehr daran, die Sprachentwicklung an sich in den Vordergrund zu stellen, sondern vielmehr den Umgang mit Sprache freudvoll 'nebenher' zu üben.

In einem spielerischen Setting, das den Rahmen von Schule verlässt und Anlass zur (Vor-)Freude gibt. Wünschenswert wäre eine oder mehrere 'Aufführungen'/Ausstellungen während und am Ende des Projektes, weil das eine große Motivation ist und natürlich zur Darstellung unserer Arbeit nach außen (Eltern, Förderer, andere Erzieher...) dienen kann.

Lotte Lindner, Till Steinbrenner

 

Sprache und Theaterspiel

Kinder versuchen, ihre Welt- und Selbsterfahrungen mit ihren eigenen Phantasien zu verbinden, sie in erlebbare Szenen zu betten, sie in persönlichen Träumen auszuweiten und mit diesen Erfahrungen zu spielen. Spielen, Phantasieren und Gestalten sind die Prozesse, mit denen Kinder dieses Potential der persönlichen Bedeutungen der Dinge ausbreiten, ausprobieren und ausarbeiten. Dabei entstehen, teilweise wie von selbst, unterschiedliche Sprachen. Sprachen des Körpers und der Seele/des Geistes, der Bewegung und der Stimme. Unser Theaterprojekt will diese Sprachen aufgreifen, ihre Muster sichtbar machen und mit den Kindern gestalten. So entsteht eine bewusste Aneignung des eigenen Potenzials durch die Kinder und damit, eine nachhaltige Grundlage für die Sprachentwicklung überhaupt. Denn, wie kann ich sprechen, mich ausdrücken und mit anderen in Kontakt treten, wenn ich nicht wahrnehme und erkenne, was um mich herum geschieht, was mir und den anderen wichtig ist? Die Prozesse der kindlichen Weltaneignung ähneln dabei in hohem Masse künstlerischen Prozessen, die per se assoziativ, nicht linear und spielerisch sind. Insofern ist Kunst ein ideales Mittel, da es dem kindlichen Forschungsdrang spielerisch Impuls und Form geben kann.

Inga Pickel

 

Sprache und Musik

Ausgangspunkt für alles ist das Hören. Sprache ist in diesem Zusammenhang einerseits Informationsträger andererseits aber natürlich auch Musik. Sprache fördern heißt, Persönlichkeit stärken. Letztendlich gilt es, das Eigene zu vertreten und das, was uns umgibt, zu erkennen, es dann zu genießen oder zu ertragen, wie sich das Eigene in der Umgebung behauptet, wie das Eigene die Umwelt sogar verändern kann oder ganz einfach untergeht …

Zwangsläufig werden das Selbstbewusstsein (im Wortsinne) und die Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder geschärft, all dieses Lernen spielt sich auf musikalischem Terrain ab, also musikalische Kriterien werden ohnehin entwickelt.

Unsere Aufgabe als Lehrer ist es, nicht die Kinder als leere Behälter anzusehen, die erst mit Wissen gefüllt werden müssen, sondern wir nehmen ihr Eigenes  als Ausgangspunkt für den  Unterricht.

Astrid Schmeling, Matthias Kaul

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